abstract:
Weltweit durchdringt Telekommunikations-Technologie nahezu
alle Bereiche unseres Alltags. Der Konzern-Riese Sony Ericsson korrigierte
seine diesjährige Prognose für die weltweiten Handyverkaufszahlen von 550
Mio. auf 600 Mio. Geräte. Medien lassen die räumliche Schwelle zwischen
öffentlichen und privaten Sphären fließend werden. Unser Handy verwandelt
den öffentlichen Raum der S-Bahn umgehend in eine intime Privatsphäre, das
Internet stellt unser Schlafzimmer zur Schau. Durch die Verlagerung der
Arbeitsroutinen in kommunikative Situationen verlässt das Büro das Büro
und die Fabrik die Fabrikhalle. Die Arbeit taucht ein in die
Allgemeinsphäre unserer alltäglichen Kommunikation. Gleichzeitig ist zu
beobachten, dass bei wachsender kommunikativer Vernetzung der Individuen
diese in ihrer Handy-Existenz immer einsamer werden, da die Art der
Vernetzung in ihrer direkten Adressierbarkeit der Teilnehmer dazu
tendiert, Beziehungen untereinander zunehmend zu privatisieren. Wir
erleben eine Entwicklung, wo auf der einen Seite die technischen
Voraussetzungen zur Medien-Produktion die Konsumenten-Ebene erreicht hat,
dort aber nur im privaten Rahmen genutzt wird. Auf der anderen Seite wird
das Feld der medialen Öffentlichkeit einzelnen Unternehmen überlassen, die
Monopol-Stellungen in einer globalen Medienlandschaft einnehmen und
maßgeblich die öffentliche Wahrnehmung prägen. Wie stellen sich
künstlerische und soziale Strömungen dieser Situation, was bedeutet das
für künstlerische und politische Autonomie?
radical connector(s) 01 wird einen Überblick über soziale und künstlerische
Bewegungen der letzen 30 Jahre geben, die herausstechen durch die
Entwicklung eigener Medienpraxen und Theorie-Produktion. Dabei sollen auch
ihre aktuellen Projekte vorgestellt und verstärkt Austausch mit lokalen
Initiativen Thüringens gesucht werden.
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radical connector(s) 01-programm:
Organisatorisch teilt sich das Festival in
zwei Blöcke, der erste (beginnend am 21.Oktober) wird von einführender und
informierender und der zweite (vom 28. - 31. Oktober) von praktizierender
Art sein. Hauptbestandteil des ersten Blocks bilden die Präsentationen,
Screenings und Performances internationaler KünstlerInnen, AktivistenInnen
und TheoretikerInnen. Eingerahmt werden diese Veranstaltungen von Panels
in denen gegenwärtige theoretische Diskurse erörtert werden, sowie
praktische hands-on Workshops, um benötigte ‚Tools’ unter Anleitung
herzustellen in Vorbereitung des zweiten Teils der Konferenz.
Grundsätzlich besteht am Ende der jeweiligen Veranstaltung die Möglichkeit
eigene Fragen an den/die ReferetenIn zu richten. Nach Absprache wird auch
ggf. für eine deutsche Übersetzung gesorgt.
Part I:
donnerstag 10/21/2004
17:00 - 18:00 einfuehrende Worte, Ueberblick ueber alle AKtivitaeten
18:00 - 19:30 Christoph Görg (Vortrag): Von den neuen zu den neuesten sozialen Bewegungen - Transformationen des politischen Protests
20:00 - 22:00 Erick Arellana-Bautista, Multimedia-Proletaria Kolumbien, Bogota (Praesentation/Screening):
ueber kulturellen Widerstand und die aktuelle Situation in Kolumbien.
freitag 10/22/2004
16:00 - 17:00 Regina Bittner (Vortrag): Zwischen Enteignung und Aneignung vom öffentlichen Raum im Postsozialismus - eine architekturtheoretische Annäherung
17:30 - 18:30 Mirijam Struppek (Präsentation): öffentlicher Raum - Interaktion - digitale Medien
19:00 - 20:00 Claudia Reiche (Vortrag): (De)information On the Politics of Fictional Figures in Fictitious Times
20:15 - 21:00 kurze Abschlussrunde
21:30 screening: Public Work Production
samstag 10/23/2004
14:00 - 15:00 Wolfgang Bock (Vortrag): Soziale Bewegungen im Wandel
15:30 - 16:30 Roger Behrens (Vortrag): Pop und Politik, ein kritischer Rückblick
17:00 - 18:00 Lloyd Dunn (Präsentation): plagiarism thanks you for interacting
20:30 - 22:00 Franco Berardi(lecture): Was bedeutet Autonomie heute?
im Anschluss screening: Telestreet
sonntag 10/24/2004
12:00 -13:00 Matthias Niendorf (Vortrag): An Alle! - Russland, die Revolution und das Radio (1895-1945)
von der Entstehung der drahtlosen Telegraphie und Telephonie zu Wechselwirkungen von Politik- und Technikgeschichte
14:00 - 16:00 Abschluss-Panel: Wie (de)formieren sich Protestbewegungen im 21. Jhdt?
17:00 - 18:00 Alexander Klosch: from tech to polis?: über kommune Tendenzen in gegenwärtigen Technologie-Entwicklungen
im Anschluss: hands-on WOrkshop: community networking
Part II:
donnerstag 10/28/2004
16:00 - 17:00 Diana McCarty (Präsentation): Was bedeutet freie Medien heute? - ein Beispiel: reboot.fm berlin
17:00 - 18:00 T03K (Präsentation): freie (neue) Medien - Amsterdam Skool
18:00 - 19:00 Filmgruppe Chaos (Präsentation): underground, home movies, independent distribution
20:00 - 22:00 screening of Filmgruppe Chaos - works
freitag 10/28/2004
10:00 - 20:00 Vorbereitung der öffentlichen Intervention
20:00 - 22:00 screening
samstag 10/30/2004
10:00 - 20:00 Vorbereitung der öffentlichen Intervention
20:00 - 22:00 screening
sonntag 10/31/2004
10:00 - 18:00 performance
18:00 - 19:00 Abschluss-Plenum
20:00 party
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teilnehmerInnen:
Kurz-Info zu den Beteiligten:
Erick Arellana-Bautista (Bogota) ist Filmemacher, Journalist und Aktivist aus Kolumbien. ua. produzierte er den Dokumentarfilm "N.N. - Den Verschwundenen eine Stimme", welcher die drastische Situation von politischer Opposition in Kolumbien beschreibt. Arellana-Bautista ist Mitglied des unabhaenigigen Medien-Kollektivs mmedia-p "Multimedia Proletaria"
Franco Berardi Bifo (Bologna) ehemals Radio Alice, welches in Rahmen der Autonomia-Bewegung der 70er in Italien entstand. Radio Alice ist ein Pioneer des freien Radio und Gegenstand der theoretischen Arbeit Felix Guattaris. Heute engagiert sich Berardi im Micro-TV Netzwerk 'Telestreet' um einen Gegentrend zur von Silvio Berlusconi dominierten Medienlandschaft zu setzen.
text: "Was bedeutet Autonomie heute?"
http://www.telestreet.it/
http://www.radioalice.org/
Italien 1976/77
Roger Behrens (Hamburg) Pop-Theoretiker, Autor und Herausgeber des Magazins ‘Testcard’, welches sich dem kritischen Diskurs über Pop-Kultur und Musik verschrieben hat. Mitarbeiter an der Bauhaus-Universität.Letzte
Buchveröffentlichungen: "Kritische Theorie" (2002),"Adorno-ABC" (2003), "Krise und Illusion" (2003), "Die Diktatur der Angepassten" (2003).
href="http://www.taz.de/pt/2002/08/14/a0253.nf/text
http://www.testcard.de
neuste veröffentlichung wäre "kulturindustrie" bei transcript:
http://www.transcript-verlag.de/ts246/ts246.htm
Regina Bittner (Dessau) Kulturwissenschaftlerin, arbeitet für die Bauhaus Stiftung Dessau. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen bei: Transformationsforschung Ostdeutschland, Arbeiterkulturgeschichte, Kulturtheorien urbanen Vergnügens, Stadt und Erlebnisgesellschaft.
shrinking cities
stiftung bauhaus dessau
Wolfgang Bock, Dr. phil., weimar z.zt. taetig an der bauhaus-universitaet weimar [Theorie und Geschichte der visuellen Kommunikation habilitierte sich 1996 im Fach Allgemeine Kulturwissenschaft an der Universität Bremen. Dort unterrichtete er von 1990 bis 2001 in den Fächern Germanistik, Kulturwissenschaft, Kunst, Pädagogik und
Gesundheitswissenschaft. Publikationen über Neue Mythologie, Postmoderne, Rechtsradikalismus,
Bildungstheorie und Neue Medien. 2000 erschien von ihm im Aisthesis Verlag, Bielefeld: "Walter Benjamin - Die
Rettung der Nacht. Sterne, Melancholie und Messianismus", 2002 ebenfalls bei Aisthesis: "Bild, Schrift, Cyberspace. Grundkurs Medienwissen". Mitherausgeber der "Zeitschrift für kritische Theorie"
Filmgruppe Chaos (Kiel/Bremen) gegründet 1975 als ein Kollektiv von Super-8 Filmemacher. Die Arbeit der Gruppe reicht von experimentellen Kurzfilmen bis zu Animations-Filmen und zweienhalb-stündigen Feature-Sendungen. Als Kollektiv fühlten sie sich immer der Idee von Underground und unabhängigen Filmemachen verbunden. Bestandteil ihrer Arbeit sind Verbreiten von Information, Unterstützen mit Technik, Anbieten von Workshops und Organisieren kleiner und großer Veranstaltungen und Film-Festivals.
http://www.filmgruppe-chaos.de/
Lloyd Dunn (Prag) Audio/Video-Künstler. Ein Hauptprojekt Dunns begann 1983 in Iowa City: the Photostatic Magazine. Es drehte sich um photo-kopier-collage und 'generative art' und verorte sich schnell in der 'mail-art' und fanzine-Subkultur, welche Ende der 80er ihren Höhepunkt erreichte.
1986 mitbegründete Dunn die Musik-Gruppe "Tape-Beatles". Ihr Projekt bestand darin, Musik nur mit der Aufnahme-Technologie selbst zu kreieren. Die 'Tape-Beatles' inspirierten sich bei der music concrete, fluxus und bei einigen der Studio-Experimente der Beatles in den 60ern. Maßgeblichen Einfluss hatten die do-it-yourself Ästhetik von Punk und die Fanzine-Bewegung.
tape beatles
PhotoStatic Magazine
public works (interview)
Christoph Görg Studium der Soziologie, Politikwissenschaft und
Philosophie in Frankfurt; Privatdozent an der Universität Frankfurt/Main,
zuletzt Vertretungsprofessor an der Universität GH Kassel, Schwerpunkte Staats-
und Gesellschaftstheorie, kritische Theorie und gesellschaftliche
Naturverhältnisse, Neueste Buchveröffentlichungen: Mythen globalen
Umweltmanagements (Hg. zus. mit Uli Brand), Münster 2002. Regulation der
Naturverhältnisse. Zu einer kritischen Theorie der ökologischen Krise, Münster,
2003; zus. mit Uli Brand: Postfordistische Naturverhältnisse, Münster 2003.
zur Person
text:"Neoliberale Globalisierung und Transformation des Nationalstaats"
Alexander Klosch (Weimar) open source-Software Enthusiast und eine der treibenden Kräfte der Weimarer open source-software Initaitive 'subsignal' und community network-Projekts 'wireless weimar'. Gegenwärtig studiert er Mediengestaltung an der Bauhaus-Universität Weimar.
Matthias Niendorf (Erfurt) z.Zt. Vertretungsprofessor für Geschichte Ostmitteleuropas an der Universität Erfurt, arbeitete für das historische Institut Warschau.
Deutsches Historisches Institut Warschau
Professur für Geschichte Ostmitteleuropas an der Universität Erfurt
Diana McCarty (Berlin) freie Medien-Aktivistin und Mitbetreiberin des unabhängigen Kultur-Radios reboot.fm. Ko-Moderatorin der Faces-Mailingliste für Frauen in Medien. U.a. arbeitete McCarthy für die Media Research Foundation in Budapest.
reboot.fm
MEDIA RESEARCH FOUNDATION
T03K (Amsterdam) ist ‘ulti-media’-Künstler und eine der treibenden Kräfte der freien Medien-Szene Amsterdam. Er gründete die erste Webcast-Station der Niederlanden DFM rtv International und das freie radio Radio 100 Amsterdam. Seine Arbeit ist Gegenstand der theoretischen Arbeit Geert Lovinks gewesen.
dfm rtv international
Agentur Bilwet
Mirjam Struppek, (Berlin)
arbeitet als freischaffender Stadtplanerin und forscht über den öffentlichen Raum und seine Aneignung durch die neuen Medien. Seit 2 Jahren baut sie die online-Plattform 'interaktionsfeld.de' auf. Sie studierte Stadt- und Umweltplanung an der Universität Kaiserslautern und Nagoya University, Japan.
Claudia Reiche (Hamburg) Medienwissenschaftlerin, Künstlerin, Kuratorin. Ihre Arbeit entwickelt (cyber)feministische Zugänge zur Frage, wie Mensch/Maschine Verhältnisse mit Worten und Bildern gestaltet werden. Mitarbeiterin im Frauen.Kultur.Labor 'thealit', Bremen, und in der ersten cyberfeministischen Allianz 'Old Boys Network'. Sie hat an den Universitäten/Kunsthochschulen Hamburg, Braunschweig und Paderborn gelehrt und war langjährige Beraterin des Referats für Frauenkultur der Freien und Hansestadt Hamburg. Führte ein Forschungsprojekt an der Universität Hamburg durch: 'Körperbilder. Mediale Verwandlungen des Menschen in der Medizin', geleitet von Prof. Marianne Schuller.
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